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10.06

Keine schwedischen Verhältnisse... aber bayrische Gastfreundschaft wie aus dem Reiseführer!


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Dem vielfachen Wunsch eines einzelnen Herrn gehorchend begann dieser Pfingstsamstag mit dem doch schon reichlich frühen Weckton um 03.30 (in Worten – halb vier Uhr morgens...) Ich schrieb ja bereits in meinem Bericht über die Winterrallye im schwedischen Torsby „wenn ich als langjährige Beifahrerin erzähle, allein die Wertungsprüfung „Lilleskogshögden“, eine anspruchsvolle, knapp 26 Kilometer lange Strecke durch den Wald irgendwo im Nirgendwo Richtung norwegische Grenze, wäre die zweitägige Anfahrt wert, halten mich meine Gesprächspartner mit Sicherheit für ein bisschen bekloppt....“

So bekloppt fühlte ich auch mich vor diesem vermutlich sehr langen Tag zur „Rallye Emmersdorf – Baron von Aretin Rallye 2019“ im niederbayrischen Aldersbach... auch für knapp 26 Kilometer Wertungsprüfung – aufgeteilt allerdings auf drei verschiedene Strecken, die je zweimal zu befahren waren! Irgendwie kam mir der Name bekannt vor, sicher Verwandtschaft der legendären Freiherrin Anette von Arentin, die im Team von Robert Lembkes „Was bin ich?“ saß... (ohjeh, ich bin schon so alt, das kennt wohl niemand mehr!)

Das war unser erster Anlauf nach etwa 3 Jahren, mal wieder in Deutschland zu fahren. Schottercupchef Alfred Gorny hatte ja für dieses Jahr versprochen, Fahrzeuge nach Anhang K mit HTP-Pass in die Ausschreibungen mit einzubeziehen. Was soll ich sagen, der technische Kommissar war echt begeistert, weil es weder an den Papieren noch am Fahrzeug etwas zu beanstanden gab!

 

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Okay, etwas über 25 WP-Kilometer über den ganzen Tag verteilt ist jetzt bissel was anderes als 25 Kilometer „am Stück“ in einer schwedischen Sonderprüfung... aber wollen wir mal ganz bescheiden anfangen. 67 Starter insgesamt, vier Volvos im Original Cup hatten genannt, zwei einheimische Paarungen, neben den urbayrischen Stefan Erndl mit Co Bernöcker wir bayrischen Schwaben und zwei „Nordlichter“.

Die angenehme Kühle des Vormittags bei der Besichtigungsrunde wich zum Start einem strahlend sonnigen Mittag und Nachmittag mit Temperaturen zumindest in der Sonne jenseits der 30 Grad.

Beim ersten Fight auf WP 1 ging bei uns schon an der zweiten Kurve die Luft, oder besser gesagt, ein bisschen die Straße aus - nach einer Links 2 von Asphalt auf Schotter folgte eine optimistisch geschriebene Rechts 3, die uns im aufgewühlten Schotter der Außenkurve festhalten wollte und den Motor absterben ließ. Wieder starten und freiwühlen kostete sicher mehr als 10 Sekunden, bei den kurzen WPs eine halbe Ewigkeit :-( Die dementsprechenden energischen Vorsätze für WP 2 endeten leider in einer Alternativroute, denn bei den 30er Startnummern vor uns hatte es einen größeren Unfall mit Abbruch gegeben, die Prüfung wurde neutralisiert und alle bekamen die gleiche Zeit. Schade, dass wir genau diese in der ersten Runde nicht unter Wettbewerbsbedingungen fahren konnte, das war wohl die selektivste und anspruchvollste der Rally mit etlichen Aha-Momenten und einigen „very tricky“ Ecken!

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WP 3, die von Arentin`sche Kiesgrube, war dann unsere Spielwiese vor den anderen drei Volvos.... Die mehr als einstündige Zwischenpause sah dann Rodewald/Kaiser mit knapp 9 Sekunden Vorsprung vor uns, hinter uns Gerstenberger/Schmidt und Erndl/Bernöcker.

Die zweite Runde begann mit einer weiteren Auflage von WP 1 nun als 4, die uns nun bekannte Rechts 3 wurde mit dem entsprechenden Respekt behandelt und dann klappt das auch mit den Kurven ;-) im Ziel lagen wir mit 0,2 Sekunden vor Rodewald/Kaiser, Erndl/Bernöcker und Gerstenberger/Schmidt. WP 2/5, die wir sowie die Teams Gerstenberger/Schmidt und Erndl/Bernöcker wegen des Unfalls noch nicht unter Wettbewerbsbedingungen gefahren hatten, war schon ein Highlight, das die Wälder des Barons zu bieten hatte! Eng, viele Bäume.... Kurve an Kurve mit einem schnellen Teerstück zu Beginn, und einem ebenso schnellen Schotterteil zum Ziel hin. Ein (leider zu kurzes) Sahneteilchen, das muss man den Niederbayern lassen! Und dieser Leckerbissen bescherte Rodewald/Kaiser 2,8 Sekunden vor uns (Memo an mich – hmmm, vielleicht beim Besichtigen doch lieber ein zweites Mal drüber fahren?), dann Gerstenberger/Schmidt und Erndl/Bernhöcker.

Zum Schluss hieß es nochmals Schwitzen bei WP 3/6 in der heißen und staubigen Kiesgrube, im Ziel lagen wir vor Erndl, Gerstenberger und Rodewald als Vierter. Was war passiert? Ein kleines Missverständnis an der Kiesgruben-ZK kostete das führende Team leider 40 Sekunden Zeitstrafe und warf es damit auf den letzten Platz bei den VOC zurück.

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Hätte hätte Fahrradkette... so ist das leider im Rallyesport - vermutlich wäre es unter optimalen Bedingungen, d.h. alle WP im Wettbewerb gefahren, kein Ausrutscher bei uns und kein Stempelfehler bei Rodewald/Kaiser, zu einem engen Kopf an Kopf Rennen zwischen uns gekommen. Sehr schade aber kein Beinbruch, die Führung bleibt ihm sicher! Schön wäre es für das Volvo-Quartett gewesen, alle zusammen in Formation mit nachfolgenden Startnummern zu fahren, zu gleichen Bedingungen und man hätte sich so auch schnell gegenseitig bei Problemen helfen können.... Wir werden voraussichtlich erst wieder im Juli in Österreich starten (ja, auf Teer....), um mit dem Organisator des neuen (alten) Volvo Euro Cups Ted Malm die Rallye Weiz unter die Lupe zu nehmen.

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Ansonsten liebe rallyefahrenden Bewohner jenseits des berühmt-berüchtigten Weisswurstäquators - diese bayrische Veranstaltung war auch einen 21-Stundentag für uns wert! Das Arentin´sche Bier haben wir zwar nicht probiert, aber Speis´und Trank wurden unermüdlich von Helfern aufgetischt, der selbstgebackene Kuchen ebenso ständig nachgeliefert und die Preise waren mehr als gastfreundlich. Viele Streckenposten und WP-Leiter, die der nachmittäglichen brennenden Sonne, dem Staub und den Steinen beispielsweise in der Kiesgrube ausgesetzt waren, erledigten ihre Jobs perfekt und so war das eine wirklich runde Sache!


 

22.05

 

Midsommardansen... oder wie schwedische Rallyesportler schon mal vorfeiern!


Bis Mittsommer ist es doch am 18. Mai schon noch ein bisschen hin, sagen wir mal gut fünf Wochen? Das zumindest konnte man in dem fragendenljungby7 Gesicht des schwedischen Zollbeamten lesen, der uns bei Verlassen der Fähre in Trelleborg nach unserem Ziel und Begehr fragte... gleichzeitig bekam er jedoch einen leicht versonnenen Zug um den Mund beim Gedanken an fröhliches Feiern in geselliger Runde beim wichtigsten Fest der Schweden. Aber an diesem bestimmten Wochenende zur Sommersonnenwende fände im ganzen Land unter Garantie nie und nimmer eine Rallye statt!

Also bat der Veranstalter in Ljungby im Herzen Smalands bereits vorher bei der „Rally Midsommardansen“ zum Tanz um Birken, Kiefern und andere einheimische Gewächse, sowie über Kuppen mit verborgenen Kurven dahinter oder versteckten Gräben. Und so ein Tanz in einem Volvo macht auch Nichtschweden wie uns reichlich Spaß, vielleicht sogar ein bisschen mehr als die Folklore um die blaugelbe Midsommarstange!

Allerdings erinnerte das Wetter mehr an April als an Sommer, sehr kühl und es regnete den ganzen Anfahrtstag. Nun ja, so gab es wenigsten kein Staubproblem, was bei etwa 190 Startern doch eine sichtbeschränkende Begleiterscheinung gewesen wäre. Dafür war der smaländisch-typische feine Schotterbelag schön fest und griffig, mit Startnummer 8 als A-Fahrer zudem beste Bedingungen garantiert!

Die Rallyeleitung hatte ein aussergewöhnlich großes Speditionsareal als Serviceplatz zur Verfügung gestellt, dazu die Anmeldung und die „Besiktning“ ganz in der Nähe platziert. Das nutzten wir nach der technischen Abnahme den Ducato als Schlafmobil herzurichten, um morgens noch die Papierabnahme abzuwickeln. Dieses Mal hatten wir uns den Luxus geleistet unsere Tochter Franziska als Servicefrau mitzunehmen, als Studentin kann sie gelegentlich mal ein paar Tage blau machen ;-) Das nächtliche Schnarchkonzert ihrer Eltern musste sie allerdings notgedrungen ertragen....aber wozu gibt’s denn Kopfhörer?

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Samstagvormittag hatten wir also genügend Zeit bis zum Start etwa viertel nach 11 Uhr, um Familie Östlund zu begrüßen oder uns mit dem Schweden Ted Malm zu unterhalten. Er ist die treibende Kraft um den Versuch zu wagen, einen Volvo Euro Cup aus der Asche des ehemaligen Nordic West Euro Cups (den Siggi übrigens 2010 einmal gewonnen hatte...) wiederauferstehen zu lassen.

Kurz vor Mittag ging es also los zur ersten Runde, Auftaktprüfung etwa 8 Kilometer durch den Wald und Wiese. Alles lief perfekt, genau richtig zum Warmwerden für die wohl schönste Wertungsprüfung Nr. 2, etwas mehr als 11 Kilometer mit allem was dieser wunderschöne Teil Schwedens zu bieten hat – die bereits erwähnten schnellen Kuppen und Kurven mit den dahinter lauernden tückischen Gräben oder Bäumen. Das war echtes Rallyefahren, da musste beim Gebetbuchlesen (heißt im schwedischen „tysk siffer“ also auf gut deutsch „fahren nach Zahlen“ :-) wie auch beim Fahren alles perfekt aufeinander eingestimmt sein und dann stellte sich auch beim Stopp dieses Grinsen auf beiden Gesichtern ein und die Gewissheit - der weiteste Weg lohnt sich dafür!

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 Danach war eine halbe Stunde Servicezeit angesagt, die sich wie üblich nur als Kurzcheck mit einem sehr dekorativ angerichtetem Imbiss dank unserer tatkräftigen familiären Unterstützung darstellte.

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Die zweite Runde bestand aus vier relativ kurzen Wertungsprüfungen, wovon die letzte wiederum oben bereits beschriebenes Dauergrinsen verursachte...also WP 2 und 6 wäre mal was für einen Endlosrundkurs - bis der Tank leer und der letzte Schotterreifen blank gefahren ist!

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Resultat für uns, wir waren beide zufrieden mit unserer Leistung, gegen die schwedischen Volvo A Fahrer haben wir aber mit unserer alten Lady nicht den Hauch einer Chance, daher 18. Platz und 28. von 51 gestarteten VOC – bei den C Fahrern hätte es dagegen für einen Pokal = 3. Platz gereicht, aber wer will das schon, alleine von der Startreihenfolge her ;-) Eine sehr gut durchorganisierte Veranstaltung, die sicher im nächsten Jahr wieder im Kalender des Volvo Original Cup Sverige stehen wird!

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Etwa 24 Stunden nach Zielankunft kamen wir auch wieder zuhause an, irgendwie schon so gewohnt, dass es einem zumindest gefühlt relativ kurz vorkommt... Achja – Lottogewinn und Häusle in Schweden, das wäre schon was – seufz...aber wie sagte Pumuckls Meister Eder schon vor vielen Jahren auf gut bayrisch „es muss allerweil no was zum Wünschen überbleim“, also liebe gute Fee, auf geht’s!



 

20.02

Finnische Verhältnisse... oder wie man 0,01 % aller Finnen aufs Eis führt!

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In Finnland, dem Mutterland der berühmtesten Rallyefahrer, den „flying fins“, scheint das eine leichte Aufgabe zu sein – man bietet dem bunten Rallyevolk etwas mehr als 70 Sonderprüfungskilometer und knapp 80 Kilometer Verbindungsetappe bei günstigem Startgeld, einen großen Fahrsicherheits-Trainingsplatz als Servicehalt und einige berühmt-berüchtige Teile von Wertungsprüfungen der legendären „1000-Seen-Rallye“ (heutzutage bekannt unter „Rallye Finland“).  Fertig ist die „Joutsenlampi Ralli“ und 250 Teams, darunter wir als einzige Deutsche (und ich meine auch als einzige Ausländer?) folgten dem Ruf von schnellen Kuppen und Kurven bei Schnee und Eis, und zwar in solcher Anzahl, dass der Veranstalter die Zahl der zugelassenen Teams noch flugs aufstocken musste!

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Nach gründlicher Vorplanung, liegen doch etwa 2300 Kilometer Festland sowie Ostsee zwischen unserem Heimatort und der Rallyelocation, ging es über Travemünde auf die Fähre Richtung Helsinki, welches nach etwa 30 Stunden Überfahrt erreicht wurde. Dazwischen wurden noch „Flohmarktgeschäfte“ mit gebrauchten Ersatzteilen, Kaninchentransporten und regem Bierdosenhandel abgewickelt, welche die arg strapazierte Urlaubskasse ein bisschen aufbesserten. Von dort waren es nach einer Runde Stadtbesichtigung noch knapp vier Stunden Fahrt zu unserem „Mökki“, der finnischen Ferienhütte, die für die nächsten Tage unser gemütlich kamingeheizter Mittelpunkt werden sollte.

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Die Veranstaltung läuft als regionale Rallye unter etwas anderen Bedingungen als unsere gewohnten ab – die Mehrzahl der Teilnehmer startet ohne Besichtigung und ohne Aufschrieb der Wertungsprüfung, was bei dem Einheits-Schneeweiss unter winterlichen Verhältnissen eine große Herausforderung bedeutet. Eine kleine Anzahl von 20 Auserwählten, zu denen wir als „Nichtfinnen“ zählen durften, hatte am Vortag die Möglichkeit, gegen einen kleinen Aufpreis die sechs unterschiedlichen Strecken je zweimal „in Zivil“ zu befahren und selber Pacenoten anzufertigen. Da dies jedoch nicht kontrolliert wurde, steht natürlich in den Sternen, wer außer diesen noch an Aufschriebe ran kommt....

Nichtsdestotrotz schont diese Vorgangsweise sowohl die Strecken als auch die Nerven der Anwohner, was hinsichtlich der zu befahrenden Wege eine sehr gute Entscheidung war! Einige Tage zuvor hatte sich nämlich Tauwetter und Regenfälle über Skandinavien ausgebreitet und ließ uns öfter besorgt auf die Wettervorhersage blicken. Nur dank des tiefgefrorenen Bodens und der ausreichenden Schneeschicht blieb uns auf den vorderen Startplätzen (eine weitere positive Auswirkung unter den 20 Auserwählten zu sein ;-) eine Schlammschlacht auf durchweichtem Schotter erspart.

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Auch die technische und die Papierabnahme hat so einige finnische Besonderheiten, es werden keine Lizenzen benötigt, es gibt keine Altersbeschränkung und nur der Fahrer auf den Verbindungsetappen braucht einen gültigen Führerschein... so kann sich der jugendliche Nachwuchs sozusagen bereits schon die ersten Spikes verdienen. Die Fahrzeuge benötigen nur einen Versicherungsschutz (den man ziemlich unkompliziert und günstig beim nächstgelegenen „Katsastus“, dem finnischen TÜV erwerben kann), einen Sicherheitskäfig und eine Feuerlöschanlage, die Fahrer Helm und Rennanzug. Damit ist für technische Spielereien Tür und Tor geöffnet. Beispiel Subaru Justy mit Motorradmotor und Allrad. Unser Volvo war somit in gefühlt 30 Sekunden abgefertigt und wir konnten Samstagvormittag bei einigen Plustemperaturen und beginnendem Sonnenschein nach Nebel auf unseren Start warten. Zu den bereits vorgenannten Besonderheiten finnischen Rallyesports gehörte bei dieser Veranstaltung – bzw gehörte nicht – eine Bordkarte und genau einzuhaltende Zeitkontrollen. Für deutsche Gründlichkeit erst mal ein kurzer Schreckmoment... aber so kann ein solches Starterfeld mit sechs verschiedenen Prüfungen mit einer relativ überschaubaren Anzahl von Helfern gewuppt werden! Und für Unkundige der finnischen Sprache wie unsereins hat es den Vorteil, dass die Veranstaltung so ziemlich nonverbal absolviert werden kann, keine Zeitkontrollen, keine möglicherweise falsch eingetragenen Zeiten, nur das Wesentlich zählt – die Minuten und Sekunden zwischen Start und Ziel der Wertungsprüfungen!


Die Verhältnisse auf den Sonderprüfungen waren trotz der oben erwähnten besorgten Blicke stabil geblieben, die Strecken im Vorfeld bestens präpariert, die Schneewälle hielten, die teil sehr schnellen und breiten Abschnitte waren ein Genuss zu fahren. Die eher an Schweden erinnernden, engen und mit vielen Kurven bestückten Wege beanspruchten die volle Aufmerksamkeit. Rallyeherz was willst du mehr!

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kitos Rallikuvat.net

WP 1 startete für uns kurz nach 11 Uhr, es galt eine etwas mehr als 2 km lange Zuschauerprüfung direkt am Servicehalt zu absolvieren, interessant für unsere Helfer und Begleiter in Gestalt unserer beiden Söhne und der Partnerin des einen.  Danach ging es direkt zu WP 2 Richtung Norden in die „Berge“, was man an einem dort beheimateten Skihang sehen konnte. Etwas mehr als 23 anspruchsvolle Kilometer, die Reihung der Startnummern ohne Gedrängel scheint ungeschriebenes Gesetz zu sein, ging es auch gleich zu Nummer 3, einer schnellen Sonderprüfung, deren Ende wir allerdings beim Abfahren etwas vorverlegt hatten ;-) Im Servicehalt vor Runde zwei wurden dann die original finnischen Spikes aufgezogen, mit denen dann der Fahrer im Verlauf der nächsten drei Wertungsprüfungen recht zufrieden schien. Die letzte Sonderprüfung hatte dann wieder was für die Zuschauer vor Ort zu bieten, der letzte Kilometer führte wieder in den Trainingspark Josemora, ein paar schnelle Kuppen ließen das Rallyeherz höher schlagen und die Autos ebenso weiter springen. Unsere betagte Volvodame hatte es bei dieser Rallye doch mal auf sagenhafte 156 km/h Höchstgeschwindigkeit geschafft - per GPS gemessen!


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Im Ziel war unser Ergebnis der 11. Platz von 20 Startern unserer Klasse (ich sag immer die „Auserwählten“ weil wir wussten wo´s langging....), darunter etliche Allradler und etwas Kleingeld einfordernde ;-) R 5 - Autos (die Motorsportler unter euch wissen Bescheid...) Insgesamt 173 Fahrzeuge von endgültig 244 gestarteten beendeten die Rallye in Wertung, Wer sich für Genaueres interessiert, unter https://www.rallyekarte.de/Joutsenlampi-ralli-2019 kann man die Karte mit den Wertungsprüfungen und deren Länge einsehen! Ich glaube kaum, dass hierzulande eine Rallye mit einem solchen Starterfeld, in ziemlich genau 3 ½ Stunden komplette Fahrzeit für uns, und einer Gesamtlänge von knapp 150 Kilometern relativ unaufgeregt vonstatten ginge....


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Da es ja kein Kampf um Minuten auf der Heimfahrt brauchte - “wir haben Uuuurlaub“, ließen wir den Nachmittag gemütlich bei Burger und Co ausklingen, unser inzwischen schon etwas vertrauter Rallyekollege Petri der Betonbauer gesellte sich auch noch zu uns. Er würde unglaublich gerne weiteren deutschen Rallyefahrern die Vorzüge des Wettbewerbs in seinem Heimatland näherbringen – traut euch! Am Sonntag vormittag verließen wir dann die blitzblank geputzte Hütte, die übrigens uuuunbedingt weiterzuempfehlen ist! Richtung Naantali mit kurzem Aufenthalt in Turku samt Stadtrundgang, es ging am späten Abend mit der Fähre dann zurück über Kappelskär/Schweden. Da die Beifahrerin leider das gesamte Team mit Rüsselpest verseucht hatte, verschoben wir den geplanten Stockholmaufenthalt auf ein anderes Mal, und schlugen die Route gen Süden nach Trellborg zur Fähre „auf den Kontinent“ ein. Und dann ist mal wieder Zeit für den gewohnten Seufzer wenns halt ned so weit weg wär“ - Finnland, immer wieder ein Abenteuer wert!


 

12.01

Rallye Finnskogvalsen 2019

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Liebes Rallyekarma,


ich frage mich ehrlich womit wir den zweiten Ausfall in Folge verdient haben :-( Wir hatten doch so gut vorgelegt, Autokäufer zu ihrem neuen Fahrzeug nach Schweden mitgenommen, Hinterachsen zum Umbau an eine Werkstatt in Smaland ausgeliefert, Kaninchen in Torsby an ihre glücklichen neuen Besitzern übergeben – und dann lässt du uns im Graben enden??? Aber eines nach dem anderen...


Wenn ich als langjährige Beifahrerin erzähle, allein die Wertungsprüfung „Lilleskogshögden“, eine anspruchsvolle, knapp 26 Kilometer lange Strecke durch den Wald irgendwo im Nirgendwo Richtung norwegische Grenze, wäre die zweitägige Anfahrt wert, halten mich meine Gesprächspartner mit Sicherheit für ein bisschen bekloppt.

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Aber sind wir Rallyefahrer nicht alle ein bisschen bluna? Nach knapp 34 Stunden Fahrt - davon verbrachten wir zwei Stunden im Stau (wobei wir an dieser Stelle der Autobahn noch Glück hatten, unser österreichischer Kollege Karl Rumpler stand dort über Nacht 13! Stunden!) und zwei weitere Stunden hatte die Fähre Verspätung - erreichten wir unser Ziel im schwedischen Värmland, Torsby, das mittlerweile durch den Rallye-WM-Lauf „Schwedenrallye“ unter Eingeweihten bekannt ist. Schnee lag genügend und die Temperaturen bewegten sich um die 5 Grad minus am Vorabend der Rallye. Da die Schlange vor der freiwilligen technischen Abnahme mehr als 20 Autos lang war und die Kaninchen auch endlich aus ihrem engen Transportkäfig raus wollten, fuhren wir direkt in unser Quartier, eine schon wohlig eingeheizte Hütte auf dem Campingplatz „Camping 45“, das von einem netten deutschen Ehepaar betrieben wird.


Samstagfrüh ging es nach dem Morgenkaffee zu Papier- und technischer Abnahme, wobei es mit nur einem weiteren Mitstreiterkarte sehr entspannt vonstatten ging - alles richtig gemacht! So blieb bis zum Start der Rallye noch Zeit, zum Campingplatz zurück zu fahren, einen zweiten Kaffee einzunehmen und das Finanzielle zu regeln. Kurz vor 12 Uhr mittags ging es dann los auf die erste Etappe der zweiteiligen Veranstaltung, den beiden Wertungsprüfungen im Tageslicht.

Trotz der Minustemperaturen und der Schneelage waren die Bedingungen für die spikesbereiften Fahrzeuge alles andere als ideal, diese Mischung aus körnigem Eis/Schneegemisch ohne genügend durchgefrorenen Untergrund nennen die Schweden Sloucheis, es „verstopft“ die Spikes und verhindert den richtigen Grip. Dazu kam, dass die nach dem technischen Ausfall bei der Rallye Waldviertel als Ersatz montierte Hinterachse eine längere Übersetzung in sich hatte, die den flotten Vortrieb leider etwas in Grenzen hielt....Nach wenigen Kilometer überholten wir unseren VOC-Chef Jochen Walther, der sich in einem Schnee gefüllten Graben wiedergefunden hatte – zu seinem großen Glück waren direkt genügend Bergungs erfahrene Zuschauer zur Stelle, die mit viel Geschick und Können den grünen Volvo wieder auf die 'Strecke zurückbeförderten. Trotz zuerst aussichtsloser Lage - Steffi hatte ihren Aufschrieb schon weggelegt, kostete sie das Manöver nur etwas mehr als drei Minuten! Was sie im übrigen nicht davon abhielt, auf der nächsten Wertungsprüfung 20 Sekunden schneller zu sein als wir :-( Nach dem kürzeren Teil der Rallye, die auch zweiteilig gewertet wird, lagen wir auf Platz 76, Karl auf 84 und Jochen durch den kurzen Grabenstop auf 88.

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 Die Besonderheit der Polo und wir haben die gleichen Reifen drauf. Michelin WRC Spikes

Nach knapp eineinhalb Stunden Pause/Servicezeit ging es bei einsetzender Dämmerung auf die längere Runde Richtung Norden, die drei Sonderprüfungen bei Dunkelheit beinhaltete, als erste die bereits oben erwähnte „Königs“Prüfung. Und egal für wie bluna man uns hält – es lohnt sich die ganzen Anstrengungen auf sich zu nehmen, um einfach mal 26 Kilometer nach Lust und Laune im Finsteren durch den Wald zu toben! Und ganz nebenbei unserem deutschen Volvochef klitzekleine 10 Sekunden abzunehmen sowie dem schwedischen VOC-Chef Roger 9 Sekunden – bei einer Fahrzeit von knapp 19 Minuten! Das war mal so richtig (vorweg genommener) Balsam auf unserer Rallyeseele! Denn wie so oft bewahrheitet sich der bekannte Spruch "lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!", und ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer...! Nach gut 3 Kilometern auf der vierten Wertungsprüfung hatte eine flüssig angesagte rechts drei minus ihre eigene Physik, ich las bereits die nächste Kurve vor, als der Volvo sich nach einem kleinen Schlenker gierig in den Schneewall auf der rechten Seite fraß und unweigerlich in einem schrägen Winkel in den Graben kippte. Später hörten wir, das der direkt vor uns startende Jochen genau an dieser Stelle „zaubern“ musste – ob wir seine Spur ins Verderben erwischt hatten?

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grabenIn diesem Moment war uns beiden schlagartig klar, ohne fremde Hilfe konnte uns keine Schneeschaufel an Bord aus dieser misslichen Lage befreien! Zudem lagen wir so schräg im Graben, dass meine Türe sich weigerte aufzugehen um mich in den Schnee purzeln zu lassen. Also blieb ich sitzen, bis Siggi das Warndreieck ein Stück hinter uns aufgestellt hatte und nach Helfern Ausschau hielt. Unglücklicherweise war dieser Streckenabschnitt wohl schwierig zu erreichen und somit völlig ohne Zuschauer und ohne schiebende und schaufelnde Hände :-( Nachdem meine Tür frei war, machte ich mich auf den Weg, die nächsten Kurven zu erkunden, was allerdings den Nachteil hatte, bei jedem vorbeifahrenden Konkurrenten aus Sicherheitsgründen vorher abseits in den Schnee zu springen...allerdings ohne jeglichen Erfolg, weit und breit kein Mensch, kein Licht, keine Stimmen. So richteten wir uns drauf ein, etwa eineinhalb Stunden an sicherer Stelle auszuharren und selber unfreiwillig Zuschauer zu spielen – die Kehrseite der Medaille bei über 90 Startern mit der Nummer 11 zu fahren! Die nächste Zeit verging mit Überlegungen, wer uns wohl aus diesem Graben ziehen könnte, wir hatten ja selber keinen Service dabei. Karl hatte auch niemanden dabei, war zudem noch unterwegs eine weitere Wertungsprüfung zu fahren und Jochen musste direkt nach der Zielankunft aufladen um seine Fähre zu erreichen!

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 Aber unser Rallyekarma hatte dann doch irgendwann Erbarmen, zumindest mit uns – denn ein Team mit einem etwas kostspieligen Fahrzeug hatte genau diese rechts drei minus unwesentlich zu schnell angefahren und landete ebenso wie wir im Graben, etwa 50 Meter entfernt. Um sein teures Equipment zu schonen, entschloss sich das Team, alle Bergungsversuche sein zu lassen und ihr Serviceteam zu informieren. Des einen Pech, des anderen Glück könnte man also sagen, denn sie versicherten uns ihrer Hilfe, den Volvo zu befreien um wieder festen Boden unter die Spikes zu bekommen.

wp1jochen wp4jochen Jochen und Steffi

Nach etwas mehr als zwei Stunden Wartezeit bei Temperaturen um die minus 10 Grad traf dann die angesagte Hilfe ein. Zuerst wurde der Mitsubishi Mirage geborgen, danach der Volvo rückwärts aus dem Graben gehievt (Memo an den Fahrer- Equipment verbessern :-( das bordeigene Abschleppseil riss einfach...) - an dieser Stelle nochmals ein herzliches „tack sa mycke“ an das Team Jirvelius! Und so fuhren wir aus eigener Kraft Richtung Ziel, zwar aus der Wertung, aber wie immer bei einem Ausfall um Erfahrungen reicher. Denn wie oben bereits erwähnt, es könnte ja immer schlimmer kommen, außer Frust nix passiert, Auto heil, Piloten heil – obwohl ich kurz die Befürchtung hatte, erst zur Schneeschmelze wieder gefunden zu werden... Aber der zweite Ausfall in Folge nagt schon ziemlich am Rallye-Ego, meine Schuldenliste an Veranstaltungen, mit denen wir noch eine Rechnung offen haben wird länger! Und ein bisschen Karma pflegen ist weiterhin angesagt, obs hilft? Wir sehen uns wieder in Finnland ;-)

Deine Copilotin Renate

 

tack pg rallybilder

 

25.12

 

So die ersten Nennungen sind abgeschickt, bzw. online getätigt. Am 12 Januar geht es nach Torsby im Värmland zur Rallye Finnsogvalsen. 81 WP Kilometer warten auf uns, in zwei Abschnitte aufgeteilt. Die ersten drei am Tag und dann zwei bei Nacht.

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Anschließend geht es im Februar nach Finnland zur Rallye Joutsenlampi zu ca. 80 WP Kilometern.

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Das wird Spaß machen!